Patienteninformation, Dupuytren-Erkrankung, Morbus Dupuytren

Die Dupuytren-Kontraktur geht nicht, wie von manchen Betroffenen irrtümlich vermutet von der Beugesehne aus. Die Dupuytren'sche Kontraktur ist eine häufige Erkrankung der Hautweichteile. Sie hat ihren Ursprung in einer Schicht aus Bindegewebe die im Bereich der beugeseitigen Handfläche unter der Haut gelegen ist. Anteile dieser bindegewebigen Schicht (=Palmaraponeurose) können dabei zunächst unter der Haut Knoten oder Stränge bilden. Später können sich diese kontrahieren (daher der Name Dupuytren-Kontraktur) und dann zu einer Behinderung beim Fingerstrecken, besonders am Ring- oder Kleinfinger führen.

Meist sind Männer von der Dupuytren-Erkrankung betroffen, gelegentlich aber auch Frauen. Die Dupuytren'sche Kontraktur ist eine gutartige Erkrankung.

Schematische Darstellung der Palmaraponeurose, also des Ursprungsortes der Dupuytren-Erkrankung
Dupuytren, Schema der Palmaraponeurose

 

Ursachen und Verlauf der Dupuytren Erkrankung

Die genauen Ursachen der Dupuytren'sche Kontraktur sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt, aufgrund ihrer Häufigkeit hat man jedoch gute Informationen über den Krankheitsverlauf und seine Behandlung: Grundsätzlich kann festgestellt werden, dass der Verlauf der Dupuytren- Kontraktur chronisch ist, d.h. die Entwicklung der Erkrankung schreitet nach ihrem Beginn fort. Es kommt zu keiner spontanen Rückbildung der Stränge. Der Morbus Dupuytren kann relativ rasch im Verlauf von wenigen Monaten, aber auch langsam über viele Jahre hinweg voranschreiten. Gelegentlich bleiben Dupuytren Stränge über Jahre unverändert, um dann in Schüben zu einer zunehmenden Streckbehinderung der Finger zu führen.

 

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es? Wie läuft die Operation einer Dupuytren-Kontraktur ab?

Zunächst: Die Dupuytren-Stränge bilden sich niemals spontan zurück, sondern die Erkrankung bleibt entweder stationär oder verschlimmert sich. Die Geschwindigkeit der Verschlimmerung der Dupuytren-Kontraktur ist individuell sehr verschieden.

Neben der vollständigen Entfernung der erkrankten Dupuytren-Stränge besteht in besonderen, ausgewählten Fällen die Möglichkeit einzelne, isolierte Stränge ohne größere Hautschnitte nur zu durchtrennen. Dieses Verfahren nennt man Perkutane Nadelfasziotomie (PNF-II). Der Vorteil der perkutanen Nadelfasziotomie liegt darin, dass man keine Hautschnitte benötigt. Der Nachteil besteht darin, dass die Dupuytren-Stränge nicht entfernt werden sondern nur durchtrennt. Das erkrankte Dupuytren-Gewebe bleibt somit in der Hand zurück und kann sich erneut kontrahieren.

Eine relativ neue Behandlungsmethode ist die medikamentöse Behandlung der Dupuytren Erkrankung mit Collagenase (Kollagenase-II). Hierbei wird das Medikament Collagenase an verschiedenen Stellen in den Dupuytren-Strang gespritzt. Dieses Medikament löst den Dupuytren-Strang an dieser Stelle auf. Nach ein bis zwei Tagen kann der Strang dann durch kräftige Streckung des Fingers unter der Haut zerrissen werden. Ähnlich wie bei der perkutanen Nadelfasziotomie bleibt das gesamte, erkrankte Dupuytren-Gewebe im Gewebe der Hand zurück und kann hier ein Rezidiv bilden. Bei falscher Injektion können auch Schäden an der Sehne oder an der Gelenkkapsel durch die Injektion verursacht werden. Diese Behandlungsmethode ist in Deutschland noch neu. Das Medikament wurde in Deutschland im Sommer 2011 zur Behandlung der Dupuytren-Kontraktur zugelassen und auf den Markt gebracht.

Studien weisen darauf hin, dass die Behandlung mit Nadelfasziotomie oder Kollagenase zwar weniger eingreifend ist als eine operative Fasziektomie. Es wurde aber auch gezeigt, dass Rezidivraten der Dupuytren-Erkrankung nach Nadelfaziotomie und Kollagenaseanwendung deutlich höher sind als nach der operativen Behandlung des M. Dupuytren.

Nach wie vor ist die beste Behandlungsmethode die vollständige Entfernung der erkrankten Bindegewebswucherungen.

Die Operation wird erst dann empfohlen, wenn ein Finger aufgrund der Stränge nicht mehr vollständig gestreckt werden kann. Knoten ohne Streckbehinderung der Finger, werden nur in einigen, seltenen Fällen entfernt, wenn diese Schmerzen beim Greifen bereiten.

Die Dupuytren-Operation wird in der Regel ambulant und meist ohne Vollnarkose in örtlicher Betäubung des Armes (=Plexusanästhesie) durchgeführt. Sie dauert etwa 30 - 60 Minuten, kann bei fortgeschrittener Erkrankung aber auch über eine Stunde benötigen.

Da die Bindegewebsstränge in unmittelbarer Nähe zu den Fingernerven und Gefäßen sowie zur Haut verlaufen, kann ihre Entfernung gerade bei weit fortgeschrittener Erkrankung, technisch anspruchsvoll sein.

 

Welche Komplikationen können bei der OP einer Dupuytren-Kontraktur auftreten?

Komplikationen sind auch bei Durchführung durch einen erfahrenen Handchirurgen nie vollständig auszuschließen und sind in der Regel abhängig von der Ausprägung der Dupuytren-Kontraktur. Diese sind: Wundheilungsstörungen, Blutergüsse, Nervenverletzungen Rezidivbildung. In vielen Fällen kann die Operation bei Dupuytren'scher Kontraktur wieder eine freie Beweglichkeit, mit kompletter Streckung der Finger ermöglichen. Bei weit fortgeschrittenen Fällen ist dies nicht immer möglich. Auch deshalb sollte eine Operation nicht zu lange aufgeschoben werden.

 

Nachbehandlung nach Dupuytren-Operation

Etwa zwei Wochen nach der Operation werden die Fäden gezogen. Dann sollten entweder selbstständig, oder mit krankengymnastischer Anleitung, Bewegungsübungen erfolgen.
Das Endergebnis nach Dupuytren Operation hinsichtlich der Beweglichkeit sollte, je nach Schweregrad der Erkrankung, meist nach 3 - 6 Wochen sichtbar sein.