Mo
02
Mär
2009
von Prof. Dr. med. Dr. med. habil. Peter Graf
Fast alle Patientinnen, welche sich bezüglich einer Brustaugmentation heute bei mir vorstellen haben bereits sehr ausführliche Vorkenntnisse über die entsprechenden Gesundheitsportale oder
Patientenforen gesammelt. Die Fragen zum Thema Brustvergrößerung, welche sie im Rahmen eines Beratungsgespräches stellen, sind meist individuell und sehr detailliert.
Im Folgenden möchte ich auf zwei aktuelle Aspekte zum Thema Brustvergrößerung eingehen, welche nur selten auf den gängigen Internetseiten angesprochen werden, welche aber in der Praxis eine
wichtige Rolle spielen und hier häufig diskutiert werden.
Umfassende Informationen erfordern natürlich immer ein individuelles Beratungsgespräch.
Welches Implantat „anatomisch" oder rund ?
Für ästhetische Brustvergrößerungen werden heute in Deutschland meist silikongelgefüllte Implantate verwendet. Diese werden entweder in runder oder „anatomischer" (tropfenartiger) Form angeboten.
Insbesondere Herstellerfirmen behaupten, dass anatomische Implantate immer bessere und natürlichere Ergebnisse als runde Implantate erbringen würden. Objektive Studien konnten jedoch zeigen, dass
in vielen Fällen runde Implantate vergleichbare Ergebnisse liefern wie die tropfenförmigen Implantate*.
In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass „anatomische" Implantate deutlich teuerer sind als runde. Beispielsweise liegen die Kosten „anatomischer" Implantate bei einem der größten Hersteller um
ca. 50% über den Kosten für vergleichbare runde Implantate.
Sicher bieten „anatomische" Implantate in ausgewählten Fällen Vorteile, häufig sind die deutlich preisgünstigeren, runden Implantate jedoch absolut gleichwertig.
Risiken, Komplikationen, Nachoperationen
Patientinnen sind heute in der Regel gut über Risiken und Komplikationsmöglichkeiten nach Brustvergrößerungen informiert.
Ein bestimmter Aspekt wird dabei gelegentlich übersehen: Brustimplantate „halten" nicht ein Leben lang. Die in der Regel junge Patientin muss wissen, dass zu einem späteren Zeitpunkt und sei es
auch erst nach 10, 15 oder 20 Jahren ein Implantatwechsel, also eine Folgeoperation nötig werden kann.
Zukünftig sollen Patienten von den Krankenkassen in angemessener Form an den Behandlungskosten der Komplikationen nach Schönheitsoperationen beteiligt werden. Man diskutiert in diesem
Zusammenhang gegenwärtig eine Meldepflicht von Komplikationen nach Schönheitsoperationen**.
Dies bedeutet, dass eine Brustoperation zum Schnäppchenpreis, etwa im Ausland, beim Auftreten einer späteren Komplikation in Deutschland dann sehr schnell zu hohen Folgekosten führen wird. Gerade
unter diesem Gesichtspunkt ist zu empfehlen Brustoperationen nur vom erfahrenen Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie in Deutschland machen zu lassen der auch zur Nachbetreuung
jederzeit zur Verfügung steht.
*Friedman T. et. al. Comparative double blind clinical study on round versus shaped cohesive gel implants. Journal of Aesthetic Surgery 26:530-536, 2006
**Meldepflicht für Tatto-Opfer. in: Der Spiegel 40: 18, 2007